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PSA Rettungsdienst: Arbeitsschutz und berufsgenossenschaftliche Grundregeln

EINLEITUNG

PSA ist im Rettungsdienst kein „Zubehör“, sondern ein fester Bestandteil deiner eigenen Sicherheit. Du arbeitest im Einsatz mit Menschen, Körperflüssigkeiten, Infektionsrisiken, Straßenverkehr, Stress, unklaren Lagen und manchmal auch mit aggressivem Verhalten. Genau deshalb gehört Arbeitsschutz bereits früh in die RettSan-Ausbildung. Für die Prüfung musst du nicht jede Vorschrift auswendig aufsagen, aber du musst erklären können, warum PSA lagegerecht ausgewählt, korrekt angelegt und sicher abgelegt wird. Besonders wichtig ist: Eigenschutz kommt vor Versorgung. Nur wenn du selbst handlungsfähig bleibst, kannst du Patientinnen und Patienten sicher helfen. Das Modul A3-M01 legt dafür die Grundlage: PSA erkennen, Gefährdungen einschätzen, Schutzmaßnahmen ableiten und Unfälle oder Expositionen richtig melden.


Rettungskraft mit persönlicher Schutzausrüstung versorgt eine verletzte Person nach einem Verkehrsunfall – PSA Rettungsdienst und Arbeitsschutz.

PSA Rettungsdienst: sicher auswählen, korrekt nutzen, sauber ablegen

Persönliche Schutzausrüstung, kurz PSA, schützt dich vor Gefahren, die im Einsatz nicht vollständig durch Organisation oder Technik ausgeschlossen werden können. Im Rettungsdienst bedeutet das: Du nutzt nicht immer dieselbe Ausrüstung, sondern wählst sie passend zur Lage. Ein geplanter Krankentransport aus einer Wohnung stellt andere Anforderungen als ein Verkehrsunfall auf der Autobahn, ein infektiöser Patient, eine Blutung oder eine unklare Einsatzstelle mit möglicher Gewalt.


Zur typischen PSA gehören Einsatzkleidung, Sicherheitsschuhe, Einmalhandschuhe, Schutzbrille oder Visier, Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmaske, Warnkleidung, gegebenenfalls Infektionsschutzkleidung und weitere einsatzbezogene Schutzmittel. Handschuhe schützen vor Blut, Sekreten und kontaminierten Oberflächen, ersetzen aber keine Händehygiene. Eine Schutzbrille schützt deine Schleimhäute, wenn Spritzer möglich sind. Warnkleidung macht dich im Straßenverkehr sichtbar. Sicherheitsschuhe schützen vor Umknicken, Herabfallen von Gegenständen und Verletzungen durch spitze oder scharfe Materialien.


Der wichtigste Grundsatz lautet:

PSA muss vor der Gefährdung getragen werden, nicht erst danach. Wer bei einer stark blutenden Wunde erst versorgt und danach Handschuhe sucht, ist zu spät. Wer auf einer Straße ohne Warnkleidung aussteigt, nimmt ein vermeidbares Risiko in Kauf. Wer nach einem infektiösen Einsatz die Schutzkleidung falsch auszieht, kann sich beim Ablegen selbst kontaminieren. Deshalb ist das An- und Ablegen prüfungsrelevant.


Beim Anlegen gehst du strukturiert vor:

Lage einschätzen, passende PSA auswählen, Sitz kontrollieren, dann erst an den Patienten oder in den Gefahrenbereich gehen. Beim Ablegen ist Ruhe wichtig. Kontaminierte Außenseiten dürfen möglichst nicht mit Haut, Kleidung oder privaten Gegenständen in Kontakt kommen. Handschuhe werden so ausgezogen, dass die verschmutzte Außenseite eingeschlossen wird. Danach folgt Händedesinfektion nach Hygieneplan. Schutzbrille, Maske oder weitere Schutzkleidung werden nach Trägerstandard entsorgt, aufbereitet oder abgelegt.


Arbeitsschutz bedeutet aber mehr als PSA. Er umfasst alle Maßnahmen, die Beschäftigte vor arbeitsbedingten Sicherheits- und Gesundheitsgefahren schützen sollen. Dazu gehören Unterweisungen, sichere Fahrzeuge, geprüfte Medizinprodukte, Gefährdungsbeurteilungen, Hygienepläne, arbeitsmedizinische Vorsorge, Impfangebote, rückenschonendes Arbeiten, sichere Einsatzstellenorganisation und Meldewege bei Unfällen. Die DGUV beschreibt PSA im Rettungsdienst als Ausrüstung, deren Auswahl sich an der Gefährdungsbeurteilung der Beteiligten orientiert.


Für dich als RettSan ist besonders wichtig, typische Gefährdungen früh zu erkennen. Dazu zählen Verkehr, Dunkelheit, Wetter, biologische Gefährdungen, Körperflüssigkeiten, scharfe Gegenstände, Gewalt, Tiere, instabile Umgebungen, gefährliche Stoffe und psychische Belastungen. Nicht jede Gefahr ist sofort sichtbar. Ein Patient kann infektiös sein, ohne dass es in der Alarmierung genannt wurde. Eine ruhige Einsatzstelle kann plötzlich unübersichtlich werden. Ein scheinbar harmloser Transport kann sich durch Erbrechen, Blutung, Sturzgefahr oder Aggression verändern.


Berufsgenossenschaftliche Grundregeln betreffen vor allem Unfallverhütung, Meldepflichten und Lernen aus Ereignissen. Kleine Verletzungen, Stich- und Schnittverletzungen, Kontakte mit Blut oder anderen potenziell infektiösen Materialien müssen ernst genommen werden. Nadelstichverletzungen sind im Gesundheitswesen ein relevantes Infektionsrisiko; die BGW betont, dass bei verunreinigten Instrumenten zügig und sachgerecht gehandelt werden muss.


Nach einer Exposition gilt:

Situation sichern, Sofortmaßnahmen nach Trägerstandard durchführen, Vorgesetzte informieren, ärztliche Abklärung einleiten und Ereignis dokumentieren. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern professioneller Arbeitsschutz. Unfälle und Verletzungen werden dokumentiert, damit Versorgung, Nachverfolgung und Prävention möglich bleiben. Die BGW weist darauf hin, dass Verbandbucheinträge vertraulich zu behandeln und mindestens fünf Jahre aufzubewahren sind.


Ein Beispiel aus der Praxis:

Ihr werdet zu einer gestürzten Person in eine Wohnung gerufen. Auf den ersten Blick wirkt die Lage ruhig. Beim Betreten seht ihr jedoch Blut am Boden, wenig Platz, schlechte Beleuchtung und einen aufgeregten Hund. Professionell ist jetzt nicht, „schnell irgendwie loszulegen“. Professionell ist: Lage kurz stoppen, Hund sichern lassen, Handschuhe anziehen, Stolperstellen beachten, Beleuchtung verbessern, Patient ansprechen, Eigenschutz wahren und dann strukturiert versorgen.


Ein zweites Beispiel: Beim Krankentransport hustet ein Patient stark, wirkt fiebrig und berichtet erst während der Fahrt von einer bekannten Infektion. Jetzt wird PSA angepasst, Belüftung und Hygienemaßnahmen werden geprüft, Kontaktflächen werden nach Einsatzende gemäß Hygieneplan desinfiziert und Besonderheiten werden dokumentiert. Arbeitsschutz ist also dynamisch: Wenn sich die Lage ändert, ändert sich auch deine Schutzstrategie.


Für die Prüfung solltest du dir merken:

PSA-Auswahl ist immer lageabhängig. Du musst begründen können, warum du Handschuhe, Schutzbrille, Maske oder Warnkleidung nutzt. Außerdem musst du wissen, dass Arbeitgeber, Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger wichtige Rollen im Arbeitsschutz haben. Sie unterstützen Regeln, Prävention, Dokumentation und Absicherung nach Arbeits- oder Wegeunfällen. Die BGW beschreibt sich als gesetzliche Unfallversicherung für Menschen im Gesundheits- und Sozialwesen.



Learnings des Tages


  • PSA wird immer passend zur Lage gewählt: Infektionsrisiko, Verkehr, Blut, Wetter, Gewalt und Umgebung bestimmen, welchen Schutz du brauchst.

  • Arbeitsschutz beginnt vor der Versorgung: Einsatzstelle einschätzen, Gefahren erkennen, Schutzmaßnahmen treffen und erst dann handeln.

  • Unfälle, Expositionen und Stichverletzungen müssen gemeldet und dokumentiert werden, damit Nachsorge und Prävention möglich sind.


Zusammenfassung: Wissen merken für die Prüfung

Merke dir: PSA schützt nur, wenn sie rechtzeitig, passend und korrekt getragen wird. Arbeitsschutz ist kein Papier-Thema, sondern die Grundlage dafür, dass du im Einsatz sicher und handlungsfähig bleibst.


So lernst du damit: Übe zu jedem Einsatzbild die Frage „Welche Gefahr besteht und welche PSA brauche ich?“ Denke dabei nicht nur an Infektionen, sondern auch an Verkehr, Umgebung, Gewalt, Wetter und körperliche Belastung. Für die Praxis gilt: Sicheres Arbeiten wirkt unspektakulär, verhindert aber Verletzungen, Infektionen und Ausfälle. Wer PSA sauber nutzt, Gefahren meldet und nach Expositionen richtig handelt, zeigt professionelles RettSan-Verhalten.



Quellen & Grundlagen

Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Curriculum / Rahmenlehrplan Qualifizierungsmaßnahme „Rettungssanitäter/in (RettSan)“, Modul-ID A3-M01, Stand 02.01.2026.

Rettungssanitäter Heute – Jürgen Luxem, Klaus Runggaldier, Elsevier, 5. Auflage 2022.

DGUV Regel 105-003 – Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen im Rettungsdienst, DGUV.

BGW – Verbandbuch und Dokumentation von Verletzungen, Stand laut Quelle 2026.

BGW / DGUV – Informationen zu Nadelstichverletzungen und Infektionsrisiken im Gesundheitsdienst.

Trägerstandard / Curriculum Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – wissenschaftliche/ärztliche Leitung: Kim Reiner Godhusen.


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