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ABCDE-Vorgehen im Rettungsdienst: Struktur und Anwendung in Standardsituationen

Titelgrafik des Kurshandbuchs zur RettSan-Ausbildung. Im Hintergrund ist ein Rettungsdiensteinsatz zu sehen: Eine Einsatzkraft in rot-gelber Schutzkleidung versorgt einen Patienten auf einer Trage, im Hintergrund steht ein Rettungswagen. Über dem Bild steht groß „A5-M02“, darunter der Titel „ABCDE-Vorgehen im Rettungsdienst: Struktur und Anwendung in Standardsituationen“. Oben links steht „KURSHANDBUCH RettSan-Ausbildung“, unten mittig das Logo der Rettungsanker Rettungsdienstschule.

Im Einsatz hilft dir ein klares Schema, damit du unter Stress nicht Wichtiges übersiehst. Genau dafür ist das ABCDE-Vorgehen da: Es bringt Reihenfolge in die erste Untersuchung und sorgt dafür, dass du lebensbedrohliche Probleme zuerst erkennst und angehst. Im Curriculum der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® ist dieses Thema als eigenes Basis-/Übungsmodul A5-M02 mit 3 UE fest verankert. Dort geht es ausdrücklich darum, die Schritte zu benennen, sie in einfachen Fallszenarien strukturiert anzuwenden und die Ergebnisse als kurze strukturierte Notiz festzuhalten. Auch die RettSan-Algorithmen arbeiten in der Ersteinschätzung mit der ABCDE-Herangehensweise und ordnen sie in ein systematisches Vorgehen von der Szene bis zur weiteren Behandlung ein. Für die Prüfung ist also nicht nur wichtig, was die Buchstaben bedeuten, sondern vor allem, dass du die Reihenfolge sicher einhältst und Prioritäten richtig setzt.



ABCDE-Vorgehen: So gehst du in Standardsituationen vor

ABCDE bedeutet nicht, dass du “alles einmal kurz anschaust”. Es bedeutet: Du arbeitest strukturiert von potenziell lebensbedrohlich nach weniger akut. Das Ziel ist immer gleich: erst erkennen, dann sofort handeln, dann neu beurteilen. Genau diese Logik nennt auch euer Curriculum: Reihenfolge, typische Befunde je Schritt, Stop-Regeln, Priorisierung und der Übergang zur Maßnahmenplanung nach dem Grundsatz „zuerst lebensbedrohlich“.




A steht für Airway, also Atemweg. Deine erste Frage lautet: Ist der Atemweg frei und gesichert? Typische Warnzeichen sind zum Beispiel fehlende Sprache, Schnarchen, Gurgeln, Stridor, sichtbare Verlegung oder fehlende Schutzreflexe. Wenn hier ein Problem vorliegt, gehst du nicht einfach weiter zu B, sondern beseitigst das akute Problem im Rahmen deiner Qualifikation und forderst bei Bedarf weitergehende Hilfe nach. In den RettSan-Algorithmen ist ein gefährdeter Atemweg auch ein klares Kriterium, bei dem ein NotSan erforderlich werden kann.


Was untersuchst du bei A?

  • Kann der Patient sprechen? Ganze Sätze, einzelne Worte oder gar nicht?

  • Ist der Atemweg frei? Achte auf Verlegung, Sekret, Erbrochenes oder Fremdkörper.

  • Gibt es Atemwegsgeräusche? Typisch wären z. B. Stridor, Schnarchen oder Gurgeln.

  • Ist das Husten effektiv oder ineffektiv? Ineffektives Husten zeigt sich z. B. durch Luftnot, kaum mögliche Atmung, inspiratorischen Stridor, Stimmlosigkeit oder schwachen Hustenstoß. Effektives Husten bedeutet dagegen: der Patient atmet offensichtlich, kann antworten und hustet kräftig.

  • Gibt es Hinweise auf einen gefährdeten Atemweg? Die Algorithmen nennen hier besonders: fehlende Schutzreflexe, schwere anhaltende Vigilanzminderung mit GCS ≤ 8, Hals-/Kehlkopftrauma mit Heiserkeit, Engegefühl oder kloßiger Sprache sowie anhaltenden Krampfanfall.


Welche Maßnahmen machst du bei A?

Auf RettSan-Niveau sind die Basismaßnahmen klar vorgegeben:

  • Atemweg öffnen: Kopf überstrecken/Kinn anheben bzw. Esmarch/Unterkiefer vorziehen als Grundprinzip.

  • Sekret/Erbrochenes managen: Absaugbereitschaft bzw. Absaugen nach Standard.

  • Geeignete Lagerung: z. B. stabile Seitenlage, wenn passend.

  • Schnelle Nachforderung, wenn die Lage kritisch ist oder der Atemweg nicht sicher beherrschbar erscheint.


Zusätzlich beschreibt das Lehrbuch für das Primary Assessment, dass bei Störungen auf A sofort interveniert wird, z. B. mit dem Esmarch-Handgriff; generell gilt: Problem auf A zuerst lösen, dann weiter zu B.


Wenn du Hilfsmittel einbeziehst, gehören auf eurem Grundniveau außerdem Absaugen, Beatmungsbeutel/Maskenbeatmung, korrekte Positionierung, Dichtsitz und das Erkennen typischer Fehlerquellen dazu.


Was dokumentierst du bei A sinnvoll?


So etwa:

  • A frei

  • A gefährdet

  • A verlegt

  • Sprache möglich / nur einzelne Worte / keine Sprache

  • Stridor ja/nein

  • Schnarchen/Gurgeln ja/nein

  • Husten effektiv/ineffektiv

  • Sekret/Erbrochenes/Fremdkörper sichtbar

  • Schutzreflexe vorhanden/fehlend


Merksatz für den Unterricht:

Bei A sammelst du vor allem Befunde, keine Zahlen. Die Leitfrage ist immer:„Ist der Atemweg frei und bleibt er frei?“




B steht für Breathing, also Atmung. Hier schaust du: Atmet der Patient? Wie schnell, wie tief, wie anstrengend? Gibt es Zyanose, auffällige Atemgeräusche, seitendifferente Thoraxbewegungen oder eine schlechte Sauerstoffsättigung? In Standardsituationen geht es auf RettSan-Niveau vor allem darum, Atmungsprobleme früh zu erkennen, Sauerstoffgabe, Lagerung und Monitoring sinnvoll einzuleiten und die Dringlichkeit richtig einzuschätzen. Akute oder zunehmend lebensbedrohliche Atemnot ist ebenfalls ein klares Warnsignal.


Was untersuchst du bei B?


Du schaust und hörst vor allem:

  • Sind Atembewegungen sichtbar?

  • Ist die Atmung ausreichend? → Frequenz und Tiefe

  • Gibt es pathologische Atemgeräusche?

  • Wie ist die Atemarbeit?

  • Ist die Thoraxbewegung seitengleich oder paradox?

  • Liegt Zyanose vor?

  • Ist die Sauerstoffsättigung ausreichend?

  • Sind Halsvenen gestaut?

  • Gibt es ein Hautemphysem?


Deine Lehrkraft ergänzt, dass du die Atmung bei hörbaren Atemgeräuschen und sichtbaren Thoraxbewegungen anhand von Atemfrequenz, Atemtiefe, Atembewegungen, Hautfarbe, Auskultation des Thorax und Pulsoxymetrie sicher beurteilst.


Welche Werte erhebst du bei B?


Die wichtigsten messbaren Werte sind:

  • Atemfrequenz in Atemzügen pro Minute

  • SpO₂ in Prozent


Dazu kommen wichtige klinische Werte/Befunde, die du nicht als Zahl, aber strukturiert erhebst:

  • Atemtiefe

  • Atemarbeit

  • Thoraxexkursion seitengleich ja/nein

  • Auskultationsbefund

  • Hautfarbe/Zyanose

  • Sprechen möglich / nur Worte / keine Sprache

  • Bewusstseinslage


Aus den Algorithmen ist für die Verlaufskontrolle bei Sauerstoffgabe besonders wichtig: Monitoring mit SpO₂, Atemfrequenz, Atemanstrengung, Vigilanz und Patientenbeobachtung. Dort stehen auch die Zielbereiche: meist SpO₂ 92–96 %, bei Hyperkapnierisiko eher 88–92 %.



Welche Maßnahmen machst du bei B?


Auf RettSan-Niveau sind die Basismaßnahmen:

  • Positionierung / atemerleichternde Lagerung

  • Sauerstoffgabe nach Standard

  • Unterstützung der Atmung

  • Airway-Basics mitdenken/verknüpfen

  • früh nachfordern, wenn Red Flags vorliegen

  • strukturierte Reevaluation


Deine Lehrkraft nennt als problembeseitigende Maßnahmen im B-Schritt grundsätzlich Sauerstoffgabe, kontrollierte Beatmung und bei passender Lage Nadeldekompression. Für dich als RettSan heißt das praktisch: Sauerstoff und Basismaßnahmen selbst, weitergehende Maßnahmen erkennen, vorbereiten, assistieren und frühzeitig nachfordern.


Worauf achtest du als Red Flags bei B?

Im Curriculum werden ausdrücklich genannt:

  • Erschöpfung

  • Zyanose

  • Bewusstseinseintrübung


Sinnvolle Doku bei B


Zum Beispiel so:

B: AF 28/min, SpO₂ 90 %, Atemarbeit erhöht, Sprechen nur in kurzen Sätzen, Giemen beidseits, Zyanose perioral, O₂ begonnen, Reevaluation läuft.


Merksatz für B: Bei B erhebst du vor allem AF + SpO₂ und kombinierst das mit dem klinischen Eindruck der Atmung.




C steht für Circulation, also Kreislauf. Du prüfst Hautfarbe, Rekapillarisierung, Puls, Blutdruck und Hinweise auf Blutverlust oder Schock. In Standardsituationen fragst du dich: Ist der Patient kreislaufstabil oder nicht? Wichtig ist dabei die Prioritätensetzung. Massive Blutungen haben Vorrang vor vielen anderen Maßnahmen. In den standardisierten Kurskonzepten wird beschrieben, dass Maßnahmen unmittelbar aus dem Befund folgen sollen: Erkennt dein Team ein Problem, wird nicht erst lange diskutiert, sondern gehandelt.


Was untersuchst du bei C?

Du schaust und prüfst bei C zum Beispiel:

  • Gibt es Blutungen?

  • Gibt es Hinweise auf größere innere oder äußere Blutverluste?

  • Sind große Knochen verletzt, vor allem Becken oder Oberschenkel?

  • Wie ist die Haut? Blass, kalt, feucht, zyanotisch?

  • Wie ist der Puls? Tastbar, schnell, langsam, kräftig oder schwach?

  • Wie ist der Blutdruck?

  • Wie ist die Rekapillarisierung?

  • Gibt es Schockzeichen?

  • Sind die Halsvenen gestaut?



Welche Werte erhebst du bei C?

Die wichtigsten messbaren bzw. strukturiert erhebbaren Werte sind:

  • Puls / Herzfrequenz

  • Blutdruck

  • Rekapillarisierungszeit



Zusätzlich erhebst du klinische Befunde wie:

  • Hautfarbe

  • Hauttemperatur

  • Pulsqualität

  • Blutungsstärke

  • Schockzeichen / Perfusion


Für die Einordnung des Pulses nennt deine Lehrkraft beim Erwachsenen als Ruhe-Normbereich 60–80/min, eine Tachykardie über 100/min und eine Bradykardie unter 60/min. Außerdem ist der periphere Puls von einem ausreichenden systolischen Blutdruck abhängig; am Handgelenk meist etwa 80–100 mmHg, an der Carotis etwa mindestens 70 mmHg.


Welche Maßnahmen machst du bei C?

Auf RettSan-Niveau leitest du vor allem sichere Erstmaßnahmen ab. Im Curriculum ist für B3-M02 ausdrücklich genannt: klinische Zeichen erkennen, daraus geeignete Erstmaßnahmen ableiten, insbesondere Lagerung, Wärmeerhalt und Nachforderung, und relevante Informationen strukturiert dokumentieren und übergeben.


Für die Schockprophylaxe nennt das Curriculum dann konkret:

  • Ruhe

  • lagegerechte Lagerung

  • Wärmeerhalt

  • Blutungskontrolle

  • zügiger Transport / Nachforderung

  • Reevaluation


Deine Lehrkraft ergänzt für C als problembeseitigende Maßnahmen außerdem: Bedrohliche Blutung stoppen, ggf. Beckenschlinge, EKG anschließen sowie weiterführende Kreislauftherapie. Auf RettSan-Niveau heißt das praktisch: Blutung kontrollieren, überwachen, früh nachfordern, vorbereiten und assistieren, statt eigenständig in Detailtherapien abzurutschen.


Wichtiger Merksatz bei C

Im ABCDE-Schema gilt: Eine suffiziente Blutstillung muss vor weiterer Diagnostik passieren. Beim Traumapatienten müssen massive äußere Blutungen sogar noch vor A erkannt und behandelt werden, also im Sinn von X-/c-ABCDE.


Sinnvolle Doku bei C

C: starke Blutung Unterschenkel rechts, Direktdruck und Druckverband angelegt, Puls 128/min schwach, RR 90 syst., Haut blass/kalt/feucht, Rekap verlängert, Schockzeichen vorhanden, Wärmeerhalt eingeleitet, Nachforderung erfolgt.


Merksatz für C:Bei C erhebst du Puls, Blutdruck, Rekap und Perfusionszeichen – und du suchst immer aktiv nach Blutung und Schock.




D steht für Disability, also neurologischer Status. Hier reicht auf Grundniveau eine strukturierte Beurteilung von Bewusstsein und groben neurologischen Auffälligkeiten, zum Beispiel mit AVPU, Pupillenbeobachtung, grober Orientierung und Blutzuckermessung, wenn passend. Ein Patient kann äußerlich ruhig wirken und trotzdem kritisch sein. Deshalb gehört D immer in das Schema hinein und darf nicht „später irgendwann“ kommen. Bewusstlosigkeit oder deutliche Vigilanzminderung sind in den Algorithmen ausdrücklich Red Flags.



Was untersuchst du bei D?

Du prüfst vor allem:

  • Bewusstseinslage quantitativ mit AVPU oder GCS

  • Orientierung qualitativ: Person, Zeit, Ort, Situation

  • Pupillen: Größe, Gleichheit, Lichtreaktion

  • Neurologische Auffälligkeiten: z. B. Lähmungen, Sprachstörung, Blickabweichung

  • Hinweise auf Krampfanfall, Intoxikation oder metabolische Ursache

  • Blutzucker als wichtiger Ausschluss einer behandelbaren Ursache


Deine Lehrkraft ist hier sehr klar: Das quantitative Bewusstsein kannst du mit AVPU und GCS prüfen, das qualitative Bewusstsein mit Fragen zu Person, Zeit, Ort und Situation.


Welche Werte erhebst du bei D?

Die wichtigsten strukturierten Werte/Befunde sind:

  • AVPU-Status

    • A = wach

    • V = Reaktion auf Ansprache

    • P = Reaktion auf Schmerzreiz

    • U = keine Reaktion


  • GCS, wenn genauer beurteilt werden soll

  • BZ-Wert in mg/dl bzw. mmol/l, besonders bei jeder Auffälligkeit

  • Pupillenbefund: isokor/anisokor, Lichtreaktion vorhanden oder fehlend


Aus den Algorithmen passt dazu ebenfalls: Bei neurologischen Lagen werden Pupillenstatus, GCS und BZ-Messung ausdrücklich mit erhoben.



Welche Maßnahmen machst du bei D?

Auf RettSan-Niveau sind die sicheren Basismaßnahmen:

  • Lagerung nach Bewusstseinslage

  • Monitoring und Reevaluation

  • BZ messen

  • Patient vor Verletzungen schützen, z. B. bei Krampfanfall

  • stabile Seitenlage, wenn passend

  • Ursache erkennen, früh nachfordern und weiterführende Therapie vorbereiten/assistieren


Deine Lehrkraft nennt als problembeseitigende Maßnahmen bei D ausdrücklich Behandlung der Ursache wie Glukose oder Antidot sowie die stabile Seitenlage. Für dich in der Ausbildung heißt das praktisch: Ursache mitdenken, BZ sichern, Bewusstseinslage sauber erfassen, sicher lagern und konsequent weiter überwachen.


Sinnvolle Doku bei D

Zum Beispiel so:

D: AVPU = V, GCS 13, Pupillen isokor und lichtreagibel, BZ 58 mg/dl, verlangsamt, keine offensichtliche Halbseitenlähmung, Lagerung nach Bewusstseinslage, Reevaluation läuft.


Merksatz für D:

Bei D prüfst du Bewusstsein, Pupillen, grobe Neurologie und immer die Frage: Kann ein auffälliger Zustand durch den Blutzucker oder eine andere Ursache erklärt werden?



E steht für Exposure/Environment. Jetzt verschaffst du dir einen vollständigen Eindruck: Verletzungen, Haut, Temperatur, Wärmeerhalt, Umfeld, Lage auf der Trage oder am Boden. E heißt nicht, den Patienten unnötig zu entkleiden, sondern gezielt zu schauen und danach wieder zu schützen. Gerade in der Prüfung wird hier oft vergessen, dass zum E auch der Wärmeerhalt und die Umgebung gehören. Wer sauber arbeitet, deckt nach der Untersuchung wieder zu und denkt an den Schutz vor Auskühlung. Das passt auch zur Logik der weiteren Versorgung in den Algorithmen: Lagerung, Transport und wiederholte Untersuchung gehören zum strukturierten Ablauf dazu.


Was untersuchst du bei E?

Du schaust bei E zum Beispiel:

  • den ganzen Patienten systematisch an

  • verdeckte Verletzungen, die man vorher nicht gesehen hat

  • Wunden, Hämatome, Fehlstellungen, Frakturen

  • Hinweise aus dem Unfallmechanismus

  • Besonderheiten am Körper, z. B. Pflaster, Insulinpumpe, Schmerzpflaster

  • Umgebung und Wärmeerhalt: nass, kalt, Wind, Boden, Kleidung, Feuchtigkeit


Welche Werte erhebst du bei E?

Bei E erhebst du meist keine primären Messwerte wie RR, SpO₂ oder BZ.Du erhebst vor allem strukturierte Befunde, zum Beispiel:

  • Wunde ja/nein

  • Blutung ja/nein

  • Frakturverdacht ja/nein

  • Hämatom / Prellmarke / Fehlstellung

  • Schmerzlokalisation

  • nasse Kleidung / Unterkühlungsrisiko

  • auffälliger Unfallmechanismus

  • zusätzliche sichtbare Erkrankungszeichen / Hilfsmittel


Welche Maßnahmen machst du bei E?

Die Basismaßnahmen sind im Lehrbuch klar benannt:

  • systematische Exposition, schrittweise und würdeschonend

  • Wundversorgung / Verband

  • einfache Schienung bzw. Immobilisation

  • Reevaluation

  • Würde und Wärmeerhalt beachten


Wichtiger Merksatz bei E

E heißt nicht einfach nur „ausziehen“.


E heißt: gezielt entkleiden, vollständig anschauen, Verletzungen erkennen, würdeschonend arbeiten und danach sofort wieder für Wärmeerhalt sorgen. Das Lehrbuch betont ausdrücklich, dass die vollständige Entkleidung und Ganzkörperuntersuchung hilft, nicht sofort sichtbare Verletzungen und relevante Befunde nicht zu übersehen.


Sinnvolle Doku bei E

Zum Beispiel so:

E: Patient schrittweise exponiert, Platzwunde Stirn, Hämatom linker Thorax, Fehlstellung Unterarm rechts, keine weitere Blutung sichtbar, Kleidung feucht, Wärmeerhalt eingeleitet, Unterarm immobilisiert.


Merksatz für E:Bei E erhebst du vor allem Sichtbefunde und Umgebungsfaktoren — nicht Zahlen, sondern das, was du durch vollständige Exposition und Umgebungskontrolle erkennst.



STOP-REGEL

Wichtig ist die sogenannte Stop-Regel: Findest du in einem Buchstaben ein akutes Problem, wird dieses Problem zuerst bearbeitet, bevor du geordnet weitermachst. Danach folgt die Reevaluation. In den standardisierten Kurskonzepten wird ausdrücklich beschrieben, dass nach dem Primary Assessment und den eingeleiteten Maßnahmen regelmäßig neu beurteilt werden soll: Waren die Maßnahmen wirksam, und hat sich der Zustand verändert? Erst wenn der erste Untersuchungsgang abgeschlossen ist und der Patient nicht kritisch ist, kommt eine ausführlichere Zweituntersuchung infrage.


Für die Prüfung hilft dir eine ganz einfache Denkweise: ABCDE ist kein Ratespiel, sondern ein Arbeitsauftrag. Du musst nicht sofort die perfekte Diagnose haben. Du musst zuerst die Bedrohung erkennen, Prioritäten setzen und nachvollziehbar dokumentieren. Genau deshalb fordert das Modul A5-M02 am Ende auch eine strukturierte Kurznotiz. Ein Beispiel wäre: „A frei. B AF 24/min, SpO2 91 %, Dyspnoe. C Puls 120/min, Haut blass, RR 95 syst. D wach, aber unruhig. E keine äußere Blutung, kalt.“ So wird aus Beobachtung eine prüfbare Struktur.



3 Learnings des Tages

  • ABCDE heißt: erst das akut Lebensbedrohliche erkennen und versorgen, dann geordnet weitermachen.

  • Die Reihenfolge ist prüfungsrelevant, aber noch wichtiger ist die Priorität: Bei einem Problem stoppst du und handelst zuerst.

  • Eine gute Kurznotiz zeigt, dass du nicht nur geschaut, sondern strukturiert beurteilt hast.



Zusammenfassung: Wissen merken für die Prüfung

Wenn du ABCDE sicher beherrschst, kannst du auch in stressigen Lagen ruhig und nachvollziehbar arbeiten. In der Prüfung zählt dabei weniger „Fachwortreichtum“ als ein sauberes, logisches und prioritätenorientiertes Vorgehen.



ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG

So lernst du damit: Nimm dir Fallbeispiele und sprich jeden Patienten laut in der Reihenfolge A bis E durch. Trainiere dabei immer dieselbe Struktur, bis sie automatisch sitzt. Dann wird aus einem theoretischen Schema ein echtes Werkzeug für Einsatz und Prüfung. Und genau das ist das Ziel in der RettSan-Ausbildung: nicht nur wissen, was ABCDE bedeutet, sondern es unter Druck sicher anwenden zu können.



Quellen & Grundlagen

  • Curriculum / Rahmenlehrplan Qualifizierungsmaßnahme „Rettungssanitäter/in (RettSan)“ – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Stand 02.01.2026.

  • Rettungssanitäter-Algorithmen 2025|2026, Version 1.1 – Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD) – Stand 2025/2026.

  • Rettungssanitäter Heute, 5. Auflage – Elsevier – 2022.

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