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Hygienegrundlagen und Infektionsprävention im Einsatz: IfSG sicher anwenden / Hygiene Rettungsdienst

A6-M01 EINLEITUNG


Hygiene ist im Rettungsdienst kein „Nebenbei-Thema“, sondern ein zentraler Bestandteil deiner täglichen Arbeit. Jeder Einsatz bringt potenzielle Infektionsrisiken mit sich – für dich, dein Team und die Patientinnen und Patienten. Genau deshalb ist dieses Modul prüfungs- und praxisrelevant: Du sollst hygienisch sicher arbeiten, Risiken erkennen und Maßnahmen konsequent umsetzen. Im Einsatz bedeutet das oft: wenig Zeit, wenig Platz und trotzdem klare Entscheidungen treffen. Der Hygieneplan dient dir dabei als verbindliche Orientierung. Zusätzlich spielt das Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine wichtige Rolle, da es den rechtlichen Rahmen für Infektionsprävention und Meldepflichten vorgibt. Ziel dieses Kapitels ist es, dir ein sicheres, standardisiertes Vorgehen zu vermitteln, das du im Einsatz direkt anwenden kannst.


Händedesinfektion am Waschbecken im klinischen Umfeld; Titelbild zum Thema Hygienegrundlagen und Infektionsprävention im Rettungsdienst sowie Anwendung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG).

Hygiene im Rettungsdienst und Infektionsprävention im Einsatz

Im Rettungsdienst arbeitest du ständig an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und potenzieller Infektionsübertragung. Die wichtigste Grundlage ist deshalb der Eigenschutz. Dieser steht immer an erster Stelle – auch im Sinne des RettSan-Algorithmus (Eigenschutz vor Patientenversorgung).



Grundprinzipien der Hygiene im Einsatz

Die zentralen Hygieneregeln lassen sich einfach zusammenfassen:

  • Eigenschutz vor Fremdschutz (du musst arbeitsfähig bleiben)

  • Standardhygiene immer anwenden – unabhängig von Verdachtsdiagnosen

  • Übertragungswege kennen (Kontakt, Tröpfchen, ggf. Aerosole)

  • Kontamination vermeiden statt nachträglich reinigen


Die wichtigste Einzelmaßnahme ist die Händehygiene. Sie ist im Alltag oft unterschätzt, aber entscheidend für die Infektionsprävention.


Typische Situationen für Händedesinfektion im Rettungsdienst:

  • vor und nach Patientenkontakt

  • vor aseptischen Tätigkeiten

  • nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material

  • nach Ablegen von Handschuhen


Ein häufiger Fehler: Handschuhe ersetzen keine Händedesinfektion.



Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die Auswahl der PSA richtet sich nach dem vermuteten Übertragungsweg:

  • Handschuhe: bei nahezu jedem Patientenkontakt

  • Mund-Nasen-Schutz (MNS) / FFP2: bei respiratorischen Symptomen

  • Schutzbrille: bei Spritzgefahr (z. B. Blut, Erbrochenes)

  • Schutzkittel: bei starker Kontaminationsgefahr


Wichtig:

PSA schützt nur, wenn sie richtig angelegt und abgelegt wird. Gerade beim Ausziehen passieren viele Kontaminationen.



Hygienisches Arbeiten im Einsatz

Im Rettungsdienst gibt es oft keine idealen Bedingungen. Deshalb gilt:

  • Arbeitsflächen möglichst sauber halten

  • „Saubere“ und „unsaubere“ Bereiche trennen (z. B. RTW-Struktur)

  • Materialien nicht unnötig kontaminieren

  • Einmalmaterial bevorzugen


Nach dem Einsatz folgt die Desinfektion von Material und Fahrzeug gemäß Hygieneplan.

Dieser ist verbindlich und gibt vor:

  • welche Mittel verwendet werden

  • wann und wie desinfiziert wird

  • welche Einwirkzeiten gelten



Umgang mit infektiösen Patienten

Nicht jeder infektiöse Patient ist sofort erkennbar.


Deshalb gilt:

  • Standardhygiene immer anwenden

  • bei Verdacht: Schutzmaßnahmen anpassen

  • Abstand und Expositionszeit reduzieren


Typische Hinweise auf Infektionsrisiken:

  • Fieber

  • Husten / Atemwegsinfekte

  • Durchfall / Erbrechen

  • bekannte Infektionserkrankungen


Wichtig für dich: Du stellst keine Diagnose, sondern arbeitest risikoorientiert.



Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) – Grundlagen für den RettSan

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) regelt in Deutschland den Schutz der Bevölkerung vor übertragbaren Krankheiten. Für dich im Rettungsdienst sind vor allem drei Punkte wichtig:


Ziel des IfSG

Das Gesetz dient dazu:

  • Infektionen frühzeitig zu erkennen

  • deren Ausbreitung zu verhindern

  • Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung festzulegen


Meldepflichten

Bestimmte Erkrankungen und Erreger sind meldepflichtig. Das bedeutet:

  • Ärztinnen und Ärzte melden an das Gesundheitsamt

  • auch Labore melden bestimmte Erregernachweise


Für dich als Rettungssanitäter gilt:

  • keine direkte Meldepflicht, aber

  • wichtige Informationen weitergeben (z. B. Verdacht auf meldepflichtige Erkrankung)


Beispiel: Verdacht auf Tuberkulose, Masern oder schwere infektiöse Durchfallerkrankung → Information an Klinik / Notaufnahme.


Tätigkeitsverbote (§ 42 IfSG – relevant!)

Wenn du selbst an bestimmten Infektionen leidest (z. B. Magen-Darm-Erkrankung), darfst du nicht im patientennahen Bereich arbeiten. Das dient dem Schutz der Patienten.


Das bedeutet für dich:

  • Krankheit ernst nehmen

  • nicht „trotzdem arbeiten gehen“

  • frühzeitig Rückmeldung an den Arbeitgeber



Grenzen und Verantwortung im RettSan-Bereich

Du arbeitest nach Hygieneplan und Trägerstandard. Deine Aufgaben sind:

  • Einhalten der Hygieneregeln

  • Schutz von dir, deinem Team und Patienten

  • Weitergabe relevanter Informationen


Du bist kein Hygienefachpersonal, aber du bist ein entscheidender Teil der Infektionsprävention im Einsatz.



Learnings des Tages

  • Hygiene beginnt immer beim Eigenschutz und der Händedesinfektion.

  • PSA muss situationsgerecht gewählt und korrekt angewendet werden.

  • Das IfSG gibt den rechtlichen Rahmen – du erkennst Risiken und gibst relevante Informationen weiter.


Zusammenfassung: Wissen merken für die Prüfung Standardhygiene immer, PSA richtig einsetzen und das IfSG im Hinterkopf behalten – besonders Meldewege und Tätigkeitsverbote.


ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG


Hygiene im Rettungsdienst ist kein Extra, sondern Teil jeder Maßnahme. Wenn du strukturiert arbeitest, schützt du nicht nur andere, sondern auch dich selbst. So lernst du damit: Denke bei jedem Einsatz aktiv an Übertragungswege und entscheide bewusst, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Genau dieses Denken wird in der Prüfung abgefragt – und im Einsatz erwartet.



Quellen & Grundlagen

  • Curriculum / Rahmenlehrplan Rettungssanitäter/in – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Stand 2026

  • Rettungssanitäter Heute – Elsevier – 5. Auflage, 2022

  • Infektionsschutzgesetz (IfSG) – Bundesrepublik Deutschland – aktuelle Fassung





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