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Primary Survey und Secondary Survey: Erst- und Zweituntersuchung sicher anwenden

A5-M03 EINLEITUNG


Im Einsatz entscheidet oft nicht die perfekte Einzelmaßnahme, sondern ein sauberes, strukturiertes Vorgehen. Genau darum geht es in diesem Modul: Du sollst Erst- und Zweituntersuchung unterscheiden, sinnvoll einsetzen und an die jeweilige Patientensituation anpassen. Im Curriculum der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® ist A5-M03 ausdrücklich darauf ausgerichtet, Ziel, Umfang und Zeitpunkt von Primary und Secondary Survey zu unterscheiden, Prioritäten an Altersgruppen anzupassen und daraus nachvollziehbare nächste Schritte abzuleiten. Gleichzeitig wird im Trägerhinweis betont, dass du nicht in Detailmedizin abgleiten sollst, sondern auf Grundniveau sicher und standardisiert arbeitest. Für die Prüfung ist das wichtig, weil hier oft gefragt wird: Was machst du zuerst, was darf warten und was muss weitergegeben werden? Für die Praxis ist es genauso wichtig, weil ein unruhiger Einsatz schnell chaotisch wird, wenn keine klare Untersuchungsstruktur vorhanden ist. Dieses Kapitel ist deshalb Unterricht zum Nachlesen: klar, prüfungsorientiert und direkt anwendbar.


Rettungsdienstpersonal versorgt eine verletzte Patientin mit Sauerstoffmaske auf einer Trage; Titelbild zum Thema Primary Survey und Secondary Survey in der RettSan-Ausbildung.

Primary Survey: Erst- und Zweituntersuchung richtig einordnen

Der wichtigste Unterschied ist einfach: Die Erstuntersuchung sucht nach akuten lebensbedrohlichen Problemen, die Zweituntersuchung ergänzt danach systematisch die weiteren Befunde.

Die Grundidee passt auch zum RettSan-Algorithmus.


Im DBRD-Algorithmus beginnt die Versorgung mit Szene, Sicherheit und Situation, danach folgen Ersteindruck, ABCDE-Vorgehen und das Erkennen des Leitsymptoms. Erst anschließend kommen weiterführende Anamnese und Untersuchung, Messwerte, OPQRST und SAMPLER.



Das ist genau die Denke hinter Primary und Secondary Survey.

Die Primary Survey ist also deine sofortige Erstuntersuchung. Sie beantwortet die Frage: Gibt es jetzt gerade etwas, das den Patienten unmittelbar bedroht? Typisch ist das strukturierte Vorgehen nach ABCDE beziehungsweise im Trauma je nach Lage auch X-ABCDE. Hier suchst du nicht alles, sondern das Wesentliche zuerst: freier Atemweg, ausreichende Atmung, schwere Blutung, Kreislaufproblem, neurologische Auffälligkeit, sichtbare Gefahren bei Exposure. Wenn du dabei etwas Kritisches findest, wird nicht erst weitergesucht, sondern gehandelt und reevaluiert.




Die Secondary Survey beginnt erst dann, wenn die unmittelbaren Vitalgefahren erkannt, behandelt oder zumindest eingeordnet sind. Jetzt geht es um das vollständigere Bild: Beschwerden, Vorgeschichte, Medikamente, Unfallmechanismus, Schmerzen, Begleitverletzungen, zusätzliche Befunde und die Übergabeorientierung. Das Curriculum formuliert genau diesen Unterschied über Ziel, Umfang und Zeitpunkt der Verfahren.


Für die Prüfung kannst du dir merken:

Primary Survey = lebensbedrohlich zuerst.

Secondary Survey = systematisch ergänzen, nachdem die erste Gefahrenerkennung gelaufen ist.


Ein häufiger Fehler ist, zu früh in Details einzusteigen. Beispiel:

Du misst schon Fieber, fragst lange nach Vorerkrankungen oder tastest jede Extremität ab, obwohl der Patient offensichtlich schwer luftnötig ist. Dann ist die Reihenfolge falsch.


Wie passt du das an verschiedene Patientensituationen an?

Nicht jeder Patient braucht dieselbe Tiefe im selben Moment. Beim kritisch Kranken ist die Primary Survey kurz, klar und handlungsorientiert. Beim stabilen Patienten darf die Secondary Survey ausführlicher werden. Beim Traumapatienten achtest du stärker auf Verletzungsmuster, Blutungen und Mechanismus. Beim internistischen Patienten stehen Leitsymptom, Anamnese und gerichtete Untersuchung meist stärker im Vordergrund. Entscheidend ist immer: Was ist jetzt priorisiert?


Auch Altersgruppen verändern dein Vorgehen. Beim Kind ist der Allgemeineindruck oft besonders wichtig: wirkt es wach, reagiert es altersgerecht, atmet es angestrengt, ist es blass oder apathisch? Kinder kompensieren lange und können dann plötzlich kippen. Deshalb musst du Auffälligkeiten früh ernst nehmen.


Beim älteren Menschen sind mehrere Punkte wichtig: Vorerkrankungen, Medikamente, atypische Symptomatik, eingeschränkte Kommunikation, Hör- oder Sehstörungen und ein oft verändertes Schmerzempfinden. Ein „stiller“ Patient kann trotzdem kritisch krank sein.


In der Praxis hilft dir eine einfache Denkstruktur:

Zuerst: Was bedroht den Patienten jetzt?

Dann: Was erklärt das Problem?

Danach: Was muss ich behandeln, überwachen, dokumentieren und übergeben?


Zur Secondary Survey gehören deshalb nicht nur körperliche Untersuchung und Anamnese, sondern auch verwertbare Befundformulierung. Später im Curriculum wird das als strukturierte notfallbezogene Untersuchung wieder aufgegriffen: Reihenfolge korrekt, Befunde klar, beobachtbar und ohne unklare Wertungen formulieren. Typische Fehler sind Auslassen, falsche Reihenfolge und unscharfe Befundsprache.


Für deine Übergabe heißt das: Nicht alles erzählen, sondern das Relevante geordnet weitergeben.


Also zum Beispiel: „Primary Survey unauffällig bis auf Tachypnoe und reduzierte SpO2,

Secondary Survey mit Thoraxschmerz seit 20 Minuten, Übelkeit, Kaltschweißigkeit, keine Trauma-Hinweise.“

So wird aus Untersuchung ein medizinisch brauchbarer Bericht.


Wichtig ist auch die Grenze auf RettSan-Niveau:

Du arbeitest strukturiert, erkennst Gefahren, leitest Maßnahmen im Trägerstandard ein, reevaluierst und forderst rechtzeitig höherqualifizierte Hilfe nach. Wenn der Patient kritisch ist, verschlechtert oder NotSan-/RTW-Kompetenz benötigt, darf die Secondary Survey nicht zur Verzögerung werden. Der Algorithmus zur Erforderlichkeit eines NotSan macht klar, dass bei vitaler Bedrohung, Atemwegsgefahr, zunehmender Atemnot oder Hinweisen auf einen lebensbedrohlichen Zustand früh eskaliert werden muss.



Learnings des Tages

  • Die Primary Survey dient der Erkennung und Behandlung akuter Lebensgefahr; die Secondary Survey ergänzt danach systematisch weitere Befunde.

  • Untersuchung folgt Prioritäten, nicht Neugier: Erst kritisch, dann vollständig.

  • Kinder, ältere Menschen und unterschiedliche Einsatzlagen brauchen dieselbe Struktur, aber angepasste Schwerpunkte.



Zusammenfassung:

Dieses Modul ist ein echtes Basiswerkzeug für fast jeden Einsatz. Wer Primary und Secondary Survey sicher trennt, arbeitet ruhiger, erkennt Gefahren früher und kann besser dokumentieren und übergeben.


So lernst du damit: Nimm dir Fallbeispiele und frage dich bei jedem Fall zuerst, was in die Erstuntersuchung gehört und was bewusst erst in der Zweituntersuchung drankommt. Genau dieses Denken macht dich sicherer für Einsatz und Prüfung.



Quellen & Grundlagen

  • Rettungssanitäter-Algorithmen 2025|2026 – Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD) – Stand 2025/2026.

  • Curriculum / Rahmenlehrplan Qualifizierungsmaßnahme „Rettungssanitäter/in (RettSan)“, Modul A5-M03 – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Stand 02.01.2026.

  • Curriculum / Rahmenlehrplan Qualifizierungsmaßnahme „Rettungssanitäter/in (RettSan)“, Modul B6-M03 – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Stand 02.01.2026.

  • Rettungssanitäter Heute, 5. Auflage – Elsevier – 2022.


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