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Atemwege Aufbau: So funktionieren Lunge, Zwerchfell und Atmung

B1-M01

Titelgrafik des Kurshandbuchs RettSan-Ausbildung: Vor einer anatomischen Illustration von Lunge, Luftröhre und Blutgefäßen steht groß ‚B1-M01‘. Darunter der Titel ‚Atemwege Aufbau: So funktionieren Lunge, Zwerchfell und Atmung‘. Unten ist das Logo der Rettungsanker Rettungsdienstschule zu sehen.

Atmen klingt selbstverständlich – bis es plötzlich nicht mehr richtig funktioniert. Genau deshalb gehört das Verständnis der Atemwege zu den wichtigsten Grundlagen im Rettungsdienst. Wer den Atemwege Aufbau versteht, erkennt schneller, warum ein Patient Luftnot hat, warum Atemgeräusche entstehen oder weshalb schon kleine Verlegungen lebensgefährlich werden können. Für die Praxis heißt das: Erst wenn du weißt, wie Luft normalerweise durch den Körper strömt, kannst du Störungen sicher einschätzen. Dazu gehören nicht nur Nase, Rachen und Trachea, sondern auch Bronchien, Alveolen, Pleura und das Zwerchfell. Auch Zahlenwerte wie Atemfrequenz, Atemzugvolumen oder Totraum sind kein trockenes Prüfungswissen, sondern helfen dir, Atmung im Einsatz besser zu beurteilen. Rettungssanitäter Heute beschreibt diese Zusammenhänge leicht verständlich und praxisnah – genau auf dem Niveau, das für die RettSan-Ausbildung gebraucht wird.



Atemwege Aufbau

Die Atemwege beginnen an Nase und Mund. Von dort gelangt die Luft in den Rachen, weiter zum Kehlkopf und dann in die Luftröhre, die Trachea. Danach verzweigt sich das System immer weiter: aus den Hauptbronchien werden kleinere Bronchien, daraus Bronchiolen und schließlich Alveolen, also die Lungenbläschen. Genau dort endet der Weg der eingeatmeten Luft nicht einfach – dort beginnt der eigentliche Gasaustausch. Bronchioli und Alveolen bilden das gasaustauschende System. An ihrer dünnen Wand und an den angrenzenden Kapillaren diffundiert Sauerstoff aus der Einatemluft ins Blut, während Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen abgegeben wird. Damit die Alveolen nicht zusammenfallen, sind sie innen mit Surfactant ausgekleidet. Fehlt dieser Oberflächenfaktor, kollabieren die Lungenbläschen leichter und der Gasaustausch wird gestört.


Die Lunge selbst liegt im Brustkorb, geschützt durch den Thorax und direkt oberhalb des Zwerchfells. Sie „klebt“ nicht fest an den Rippen, sondern wird über die Pleura in ihrer Lage gehalten. Außen auf dem Lungengewebe liegt das Lungenfell. Dieses schlägt an der Lungenspitze und an der Lungenbasis um und bildet das Rippenfell. Beide zusammen nennt man Pleura. Im Pleuraspalt herrscht ein Unterdruck. Genau dieser Unterdruck sorgt dafür, dass die Lunge den Bewegungen des Brustkorbs folgt. Geht dieser Unterdruck verloren, zum Beispiel bei einem Pneumothorax, kann der betroffene Lungenflügel zusammenfallen. Für die Praxis ist das ein ganz wichtiger Zusammenhang: Wer Pleura und Unterdruck verstanden hat, versteht auch, warum Thoraxverletzungen so schnell zu einem Atmungsproblem werden können.


Schematische Darstellung des menschlichen Atmungssystems im Oberkörper mit Nase, Mund-Rachen-Raum, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und beiden Lungenflügeln. In den Lungen sind die Verzweigungen bis zu den Alveolen als kleine traubenförmige Lungenbläschen dargestellt.

Ein besonders wichtiger Muskel für die Atmung ist das Zwerchfell. Es ist der wichtigste Atemmuskel überhaupt und trennt Thorax und Abdomen. Es ist kuppelartig geformt und verändert seine Stellung bei jedem Atemzug. Bei der Inspiration senkt und flacht sich das Zwerchfell ab. Dadurch wird der Brustraum größer und Luft strömt ein. Bei der Exspiration hebt und wölbt es sich wieder. Unterstützt wird das Zwerchfell von den Zwischenrippenmuskeln. Die äußeren Interkostalmuskeln helfen beim Anheben der Rippen und unterstützen damit die Einatmung, die inneren wirken eher exspiratorisch. Bei schwerer Atemnot kann zusätzlich die Atemhilfsmuskulatur an Brust, Schultern und Hals eingesetzt werden. Das ist im Einsatz ein klares Warnzeichen für erhöhte Atemarbeit.


Zur normalen Atmung gehören auch einige Richtwerte, die du kennen solltest. Die Atemfrequenz eines Erwachsenen in Ruhe liegt etwa bei 12 bis 20 Atemzügen pro Minute. Das Atemzugvolumen ist die Luftmenge, die mit einem normalen Atemzug eingeatmet wird. Beim Erwachsenen liegt es durchschnittlich bei 500 bis 800 ml beziehungsweise etwa 8 bis 10 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Das Atemminutenvolumen ergibt sich aus Atemfrequenz mal Atemzugvolumen und liegt bei Erwachsenen ungefähr bei 6 bis 9,5 Litern pro Minute. Für die Beobachtung im Einsatz ist das enorm wichtig: Nicht nur die Frequenz zählt, sondern auch die Tiefe der Atmung. Eine flache Atmung kann trotz normaler Frequenz unzureichend sein, weil das Atemzugvolumen zu klein ist. Rettungssanitäter Heute beschreibt genau diese Unterscheidung zwischen flacher und tiefer Atmung als Teil der Breathing-Beurteilung.


Oft gefragt wird auch: Wie viel Luft passt eigentlich in die Lunge? Als grobe Orientierung gilt beim Erwachsenen eine Totalkapazität von etwa 5 Litern. Davon können aber nicht einfach „5 Liter aktiv geatmet“ werden. Die Vitalkapazität – also der bewegliche Anteil zwischen maximaler Ein- und Ausatmung – liegt ungefähr bei 4 Litern. Ein Teil der Luft bleibt immer in der Lunge zurück, das sogenannte Residualvolumen. Das beträgt etwa 1,1 Liter. Zusätzlich gibt es inspiratorische und exspiratorische Reservevolumina: Nach normaler Einatmung können noch etwa 2,5 Liter zusätzlich eingeatmet werden, nach normaler Ausatmung noch etwa 1 Liter zusätzlich ausgeatmet werden. Diese Werte helfen, die Begriffe Lungenvolumina und Lungenkapazitäten sinnvoll einzuordnen.


Ein weiterer prüfungsrelevanter Begriff ist der Totraum. Totraum bedeutet: Luft befindet sich zwar in den Atemwegen, nimmt aber nicht direkt am Gasaustausch teil. Dazu gehört vor allem der anatomische Totraum in Mund, Rachen, Trachea und Bronchien. Als Faustzahl kann man sich etwa 2 ml pro Kilogramm Körpergewicht merken – bei einem 70-kg-Erwachsenen also ungefähr 140 ml. Bei gesunden Menschen entspricht der funktionelle Totraum im Wesentlichen dem anatomischen Totraum. Bei Lungenerkrankungen kann der funktionelle Totraum größer werden, weil Anteile der Lunge zwar belüftet, aber nicht mehr ausreichend am Gasaustausch beteiligt sind. Bewusst „verkleinern“ kann man den anatomischen Totraum nicht. Man kann aber seinen relativen Anteil an der Atmung verringern, wenn ruhiger und tiefer geatmet wird: Bei sehr flachen Atemzügen bleibt prozentual mehr Luft im Totraum, bei tieferen Atemzügen erreicht mehr Luft die Alveolen. Das ist ein wichtiges Erklärmodell für die Physiologie – keine allgemeine Therapieanweisung für Laien.


Zur Umgebungsluft gehört ebenfalls ein paar Basiswissen: Die Einatemluft enthält ungefähr 21 % Sauerstoff und rund 78 % Stickstoff. Kohlendioxid macht nur einen sehr kleinen Anteil aus, etwa 0,03 %. Der kleine Rest besteht aus Edelgasen und weiteren Spurengasen. Ausgeatmete Luft enthält dagegen noch etwa 17 % Sauerstoff und ungefähr 4 % Kohlendioxid. Genau daran sieht man: Nicht der gesamte eingeatmete Sauerstoff wird verbraucht, aber ein relevanter Teil wird für den Stoffwechsel aufgenommen. Auch deshalb ist die Atmung so eng mit dem Kreislauf verknüpft. Die Blut-Luft-Schranke in den Alveolen ist also nicht nur anatomisch interessant, sondern der eigentliche Schlüssel zur Sauerstoffversorgung des Körpers.


Für den Rettungsdienst bedeutet das praktisch: Atmung muss immer in Qualität und nicht nur in Zahl gedacht werden. Eine normale Atemfrequenz allein bedeutet noch keine gute Atmung. Entscheidend sind Atemtiefe, Atemarbeit, Atemgeräusche, Hautfarbe, Sauerstoffsättigung und die gesamte klinische Lage. Genau deshalb wird im ABCDE-Schema bei B nicht nur gezählt, sondern beobachtet, auskultiert und bewertet. Eine unzureichende Atemfunktion führt zu Sauerstoffmangel im Blut und damit zum Risiko von Organschäden.



3 Learnings des Tages

  • Die Luft strömt von Nase und Mund über Rachen, Kehlkopf, Trachea, Bronchien und Bronchiolen bis in die Alveolen, wo der Gasaustausch stattfindet.

  • Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel: Es senkt sich bei der Einatmung und hebt sich bei der Ausatmung.

  • Atemfrequenz, Atemzugvolumen, Atemminutenvolumen und Totraum helfen dir, die Atmung nicht nur zu sehen, sondern fachlich richtig einzuordnen.



Zusammenfassung: Wissen merken für die Prüfung

Wenn du den Weg der Luft, die Aufgabe des Zwerchfells und die Richtwerte für normale Atmung sicher erklären kannst, hast du eine starke Grundlage für Airway-Management und Breathing-Beurteilung.



ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG

Der Atemwege Aufbau ist kein reines Anatomiethema, sondern echte Einsatzgrundlage. So lernst du damit: Zeichne dir den Weg der Luft einmal von oben nach unten auf, ergänze daneben Atemfrequenz, Atemzugvolumen, Totraum und Totalkapazität – und erkläre dir laut selbst, was davon bei flacher Atmung, Dyspnoe oder Atemwegsverlegung problematisch wird. Genau so wird aus trockenem Stoff sicheres Prüfungs- und Praxiswissen.



Quellen & Grundlagen

  • Rettungssanitäter Heute, 5. Auflage – Elsevier – 2022

  • Rettungssanitäter-Algorithmen 2025|2026 – Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD) – 2025

  • Formuliert auf RettSan-Niveau nach Trägerstandard und Ausbildungslogik der Rettungsanker Rettungsdienstschule ®

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