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Herz-Kreislauf Grundlagen: Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie

Titelgrafik des Kurshandbuchs RettSan-Ausbildung mit blau dargestelltem Oberkörper und hervorgehobenem Herzen im Brustkorb. Groß im Zentrum steht ‚B3-M01‘, darunter der Titel ‚Herz-Kreislauf Grundlagen: Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie‘. Unten ist das Logo der Rettungsanker Rettungsdienstschule zu sehen


Im Modul B3-M01 geht es darum, dass du das Herz-Kreislauf-System nicht nur benennen kannst, sondern seine Grundfunktion wirklich verstehst. Genau das brauchst du später im Einsatz, wenn du bei „C“ im ABCDE entscheiden musst, ob ein Patient noch ausreichend perfundiert ist oder bereits in eine kritische Kreislaufsituation rutscht. Das Curriculum fordert dafür Basiswissen zu Anatomie und Physiologie des Herz-Kreislauf-Systems, das Erklären typischer Kreislaufstörungen und die Ableitung der Priorität „C“ im ABCDE.  Für die Prüfung ist das ein Klassiker: Aufbau des Herzens, Körper- und Lungenkreislauf, Blutdruck, Herzleistung und die Grundidee von Schockformen gehören zu den Themen, die immer wieder auftauchen. Im Einsatz hilft dir dieses Wissen, Symptome besser einzuordnen und Monitoringwerte nicht nur abzulesen, sondern auch zu verstehen. Genau darum geht es hier: Unterricht zum Nachlesen, klar, prüfungsnah und direkt an der Praxis orientiert.



Herz-Kreislauf Grundlagen

Das Herz liegt im Brustkorb zwischen den Lungenflügeln im Mediastinum, also im Mittelfellraum. Es ist leicht nach links verlagert, kegelartig geformt, ungefähr faustgroß und wiegt etwa 250 bis 400 Gramm. Anatomisch besteht es aus vier Hohlräumen: rechtem Vorhof, rechter Kammer, linkem Vorhof und linker Kammer.


Illustration eines menschlichen Herzens in Außenansicht mit rot und blau dargestellten großen Blutgefäßen. Sichtbar sind die Vorhöfe, Herzkammern sowie die oberflächlichen Herzkranzgefäße.

Für dein Verständnis von Circulation ist vor allem wichtig: Das Herz arbeitet nicht isoliert, sondern als Pumpe in zwei miteinander verbundenen Kreisläufen. Der Lungenkreislauf führt Blut von der rechten Herzkammer durch die Lunge zum linken Vorhof. Dort wird Kohlendioxid abgegeben und Sauerstoff aufgenommen. Der Körperkreislauf verläuft von der linken Herzkammer zum rechten Vorhof und versorgt Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Der vom Herzen erzeugte Druck wird als Puls an oberflächlichen Arterien tastbar.


Schematische Darstellung des Blutkreislaufs mit Herz, Lunge, Gehirn sowie weiteren Organen. Rot markiert ist sauerstoffreiches, blau sauerstoffarmes Blut. Pfeile zeigen den Verlauf von Körperkreislauf und Lungenkreislauf.

Auch die Gefäße musst du sicher unterscheiden können. Arterien sind Verteilergefäße, Venen Sammelgefäße und Kapillaren die eigentlichen Austauschgefäße. In den Kapillaren findet der Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe statt. Venen führen Blut zum Herzen zurück, können große Blutmengen aufnehmen und besitzen Venenklappen, die den Rückfluss verhindern. Gerade für das Verständnis von Schock und venösem Rückstrom sind diese Unterschiede wichtig.


Prüfungsrelevant ist außerdem die Einteilung in Hoch- und Niederdrucksystem. Die linke Herzkammer und die arteriellen Gefäße des Körperkreislaufs gehören zum Hochdrucksystem, weil hier der Blutdruck am höchsten ist. Der venöse Schenkel des Körperkreislaufs, die rechte Herzhälfte und der Lungenkreislauf zählen überwiegend zum Niederdrucksystem. In diesem Zusammenhang tauchen oft die Begriffe Vorlast und Nachlast auf: Vorlast ist vereinfacht das Blutvolumen, das dem Herzen angeboten wird, Nachlast der Widerstand, gegen den das Herz auswerfen muss.


Damit das Ganze funktioniert, braucht das Herz einen geordneten Arbeitsablauf. Während der Füllungsphase strömt Blut in die Kammern. In der Systole kontrahieren die Ventrikel und werfen Blut in die Arterien aus. In der Diastole erschlafft das Herz wieder und füllt sich neu. Die Herzfrequenz liegt beim Erwachsenen in Ruhe etwa bei 60 bis 100 pro Minute. Das Schlagvolumen beträgt ungefähr 70 Milliliter pro Ventrikel. Daraus ergibt sich das Herzminutenvolumen: Herzfrequenz mal Schlagvolumen. Beim Erwachsenen liegen wir in Ruhe grob bei etwa 5 Litern pro Minute. Diese Herz-Kreislauf Grundlagen brauchst du, um später Tachykardie, Bradykardie oder ein absinkendes Herzzeitvolumen überhaupt sinnvoll einordnen zu können.


Anatomische Schnittdarstellung des menschlichen Herzens mit geöffneten Herzhöhlen. Sichtbar sind Vorhöfe, Herzkammern, Herzklappen und große ein- und ausströmende Blutgefäße

Ein weiterer Kernpunkt ist das Reizleitungssystem. Der Sinusknoten im rechten Vorhof ist der primäre Schrittmacher und gibt normalerweise 60 bis 100 Impulse pro Minute vor. Fällt er aus, kann der AV-Knoten mit 40 bis 60 Impulsen pro Minute übernehmen; als letzte Reserve bleibt ein ventrikulärer Ersatzrhythmus mit 20 bis 40 Impulsen pro Minute. Die Erregung läuft vom Sinusknoten über den AV-Knoten, das His-Bündel, die Tawara-Schenkel und die Purkinje-Fasern in die Kammern. So entsteht eine koordinierte Kontraktion von der Herzspitze zur Herzbasis.


Wichtig für „C“ ist auch die Regulation. Der arterielle Blutdruck ist die Kraft des Blutes auf die Gefäßwand und entscheidend für die Organdurchblutung. Beeinflusst wird er vor allem durch Herzminutenvolumen, Blutvolumen und peripheren Widerstand. Pressorezeptoren melden Druckveränderungen an das Kreislaufzentrum, und über Sympathikus und Parasympathikus werden Herz und Gefäße angepasst. Der Sympathikus steigert Herzleistung und Gefäßtonus, der Parasympathikus senkt vor allem die Herzfrequenz.


Jetzt kommt die Brücke zur Pathophysiologie: Kreislaufprobleme entstehen im Grundsatz immer dann, wenn eine der drei großen Stellschrauben versagt: Pumpfunktion des Herzens, Blut- bzw. Flüssigkeitsvolumen oder Gefäßtonus. Genau daraus ergeben sich die vier wichtigen Schockgruppen: hypovoläm, distributiv, kardiogen und obstruktiv. Für dich als RettSan bedeutet das: Du musst nicht sofort jede Feindiagnose stellen, aber du solltest erkennen, welche Grundstörung gerade wahrscheinlich ist und warum „C“ gefährdet ist.


Ein besonders guter Prüfungsmerker ist dabei: Nicht jede elektrische Aktivität bedeutet automatisch eine wirksame Kreislaufleistung. Ein EKG zeigt die elektrische Aktivität des Herzens, sagt aber nichts darüber aus, ob tatsächlich genug Blut ausgeworfen wird. Deshalb zählt bei Circulation nie nur der Monitor, sondern immer das Gesamtbild aus Bewusstsein, Haut, Puls, Blutdruck und klinischem Eindruck.


Noch ein Punkt, der oft übersehen wird: Das Herz muss auch selbst durchblutet werden. Die Koronararterien entspringen direkt hinter der Aortenklappe und versorgen den Herzmuskel. Die Koronardurchblutung erfolgt praktisch vor allem in der Diastole. Deshalb kann eine ausgeprägte Tachykardie problematisch werden, weil die Diastole verkürzt wird und die Durchblutung des Myokards schlechter wird. Das ist eine wichtige gedankliche Verbindung zwischen Physiologie und späteren Krankheitsbildern wie ACS oder kardiogenem Schock.



3 Learnings des Tages

  • Circulation bedeutet nicht nur „Herz schlägt“, sondern ausreichende Organperfusion durch funktionierende Pumpe, genügend Volumen und passenden Gefäßtonus.

  • Herzfrequenz, Schlagvolumen und Herzminutenvolumen hängen direkt zusammen und erklären viele Kreislaufveränderungen im Einsatz.

  • Schockformen lassen sich über die Grundmechanismen Pumpversagen, Volumenmangel und Gefäßweitstellung besser verstehen und merken.



Zusammenfassung: Wissen merken für die Prüfung

Wenn du Herzaufbau, Kreisläufe, Reizleitung und die drei Grundgrößen der Kreislaufregulation sicher erklären kannst, hast du für „C“ im ABCDE schon ein sehr stabiles Fundament. Genau daraus leiten sich später Schockverständnis, Monitoringbewertung und Prioritäten im Einsatz ab.


ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG

Für die Praxis heißt das: Lerne das Herz-Kreislauf-System nicht als isolierte Anatomie, sondern als funktionierendes Versorgungssystem. Frag dich bei jedem Fall: Pumpt das Herz ausreichend, ist genug Volumen da und stimmt der Gefäßtonus noch? So lernst du damit: Zeichne dir heute einmal den Weg des Blutes durch Herz, Lunge und Körper auf und erkläre dir anschließend laut selbst, warum Schock letztlich immer ein Problem der Gewebeperfusion ist. Genau diese Verbindung macht dich sicherer für Unterricht, Prüfung und Einsatz.



Quellen & Grundlagen

  • Rettungssanitäter Heute – Elsevier GmbH – 5. Auflage 2022.

  • Curriculum / Rahmenlehrplan Qualifizierungsmaßnahme „Rettungssanitäter/in (RettSan)“ – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – Stand 02.01.2026.

  • Modulgrundlage B3-M01 „Herz-Kreislauf: Anatomie/Physiologie/Pathophysiologie (Grundlagen für Circulation)“ – Rettungsanker Rettungsdienstschule ® – 3 UE; Fokus auf Basiswissen, Grundmechanismen typischer Kreislaufstörungen und Ableitung der Priorität C im ABCDE.

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