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Tierbisse auf Safari in Mossel Bay: Nähe zum Wildtier – und was im Ernstfall wirklich zählt

📍 29.01.2026 Kapstadt / Mossel Bay (Südafrika)


Der Morgen in Mossel Bay beginnt anders als ein klassischer Fortbildungstag. Noch bevor der Kaffee richtig „ankommt“, sitzt unsere Gruppe bereits im offenen Fahrzeug: kühle Luft, Staub in der Sonne, dieses leise Knacken der Wege unter den Reifen. Dann tauchen sie auf – Wildtiere so elegant, dass man automatisch leiser atmet.


Gruppen-Selfie von Teilnehmenden der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® in einem Safari-Fahrzeug in Kapstadt/Mossel Bay (Südafrika); eingeblendeter Schriftzug „Rettungsanker goes international 2026“ und Datum „29.01 Kapstadt / Mossel Bay“.

Vor Kim Reiner Godhusen, ärztliche Leitung der Rettungsanker Rettungsdienstschule ®, liegt ein Gepard – lang ausgestreckt auf der Holzplattform, der Blick ruhig und wach. Kim legt vorsichtig die Hand ins Fell und streicht über den Rücken. Für einen Moment wird es still: kein Fachsimpeln, kein Klicken, nur dieses respektvolle Staunen über die Nähe zu einem Wildtier.


Und genau in dieser Szene wird klar, was Reisemedizin im Kern bedeutet: Distanz ist Sicherheit – und wenn Nähe entsteht, ist sie nie „nur ein Erlebnis“. Sie ist der Punkt, an dem Medizin plötzlich nicht mehr theoretisch ist, sondern Verantwortung bekommt: für Risikoabschätzung, für konsequente Prophylaxen und für sauberes Wundmanagement, falls aus einem Moment unerwartet ein Notfall wird.



Genau deshalb passt das heutige Thema perfekt zu Tag 3 in Kapstadt/Mossel Bay: Tierbisse. Alls klinische Realität: Wundmanagement, Prophylaxen und eine saubere Risikoeinschätzung – im Reisekontext, mit anderen Wegen, anderen Ressourcen und oft weniger Zeitpuffer.



Tierbisse: Wundmanagement, Prophylaxen und Risikoeinschätzung im Reisekontext


Heute führt uns Dr. med. Elisabeth M. Baumgart (Orthopädie und Unfallchirurgie, Asklepios Klinikum Harburg) durch das Thema – schnörkellos, praxisnah und mit genau dem Blick, den Rettungsdienst und ZNA brauchen: Was mache ich jetzt? Was darf ich nicht übersehen? Und was muss zwingend organisiert werden?





Worum geht’s heute?

Tierbisse sind mehr als „eine Wunde“. Sie sind eine Entscheidungskette aus Trauma, Infektionsrisiko und Logistik. Im Reisekontext kommen drei Verstärker hinzu:


  • Unklares Erregerspektrum: Tierart, Haltung (Haus-/Wildtier) und Umgebung beeinflussen das Risiko.

  • Zeit & Weg: Versorgung und Re-Evaluation sind nicht immer „morgen um 10“ möglich.

  • Prophylaxen müssen sitzen: Tetanus, ggf. Tollwut-Postexpositionsprophylaxe, Antibiotika – richtig priorisiert und dokumentiert.


Und ja: Auch wenn wir heute Zebra, Antilopen und den Geparden gesehen haben – die häufigsten „Bissfälle“ im klinischen Alltag bleiben Hund, Katze und Mensch. Aber die Prinzipien bleiben identisch: Wunde ernst nehmen, Risiko sauber denken, Follow-up sichern.


Zebra und drei Antilopen stehen in einer trockenen Savannenlandschaft mit Buschwerk und Bäumen; unten rechts ist das Logo „Rettungsanker Rettungsdienstschule ®“ eingeblendet.

3 klinische Kernpunkte

1) Wundreinigung ist Therapie – nicht Deko.

Bei Bissverletzungen ist die wichtigste Maßnahme oft die unspektakulärste: sofortiges, großzügiges Spülen (Volumen zählt), Entfernen von Fremdkörpern, gründliche Inspektion (Tiefe, Taschen, Nekrosen).Merksatz für den Alltag: Je besser gereinigt und exploriert, desto weniger „Überraschungen“ in 24–48 Stunden.


2) Wundverschluss: Handbremse statt Reflex.

Bisswunden sind kontaminiert. Ein primärer Verschluss ist eine Einzelfallentscheidung – und gerade an der Hand häufig ein Risiko. Hochrisiko sind u. a. Punktionswunden, Quetsch-/Rissverletzungen, Gelenknähe, verspätete Vorstellung oder eingeschränkte Nachkontrolle. Konsequenz: offen/sekundär oder verzögert verschließen, Funktion schützen, früh chirurgisch mitdenken, wenn Sehnen/Gelenk/Nerven im Spiel sind.


Prophylaxen gehören in den Akutplan – nicht „später“.


  • Tetanus: Impfstatus aktiv erheben, nach Schema auffrischen bzw. aktiv-passiv je nach Wundbild und Immunstatus.

  • Tollwut-Risiko: Im Reisekontext immer strukturiert bewerten (Tierart/Verhalten, Expositionsart, Möglichkeit sicherer Tierbeobachtung). Bei relevanter Exposition zählt: Wundreinigung sofort, dann rasche Organisation der Postexpositionsprophylaxe nach gültigen Leitlinien.

  • Antibiotika: Prophylaxe bei klaren Risikokonstellationen (Hand, tief, Quetschung, Immunsuppression, verspätete Versorgung, Gelenknähe); therapeutisch bei Infektzeichen. Standardregime sind in vielen Settings β-Laktam/β-Laktamase-Inhibitoren, Alternativen je nach Allergie/Region.



Typische Fehler / Stolperfallen

  • „Sieht klein aus“ = unterschätzt: Punktionskanäle können tief reichen, gerade an Hand/Finger.

  • DMS und Funktion nicht dokumentiert: Motorik/Sensibilität/Durchblutung, Sehnenfunktion, Beweglichkeit – vorher und nachher.

  • Zu schneller Verschluss: kosmetischer Impuls statt Risikodenken – Infektionen in geschlossenen Räumen sind der Klassiker.

  • Follow-up nicht fest vereinbart: Keine klare Wiedervorstellung = späte Abszesse, Tendovaginitis, Gelenkbeteiligung werden zu spät erkannt.



Praxis-Checkliste

Tierbiss – kompakter Algorithmus für Rettungsdienst & ZNA:


  • 1. Stabilisieren & versorgen: Blutung stillen, Analgesie, sterile Abdeckung

  • 2. Reinigen & inspizieren: reichlich spülen, Wundtiefe/Taschen beurteilen, Fremdkörper entfernen

  • 3. Funktion checken: DMS, Sehnen, Gelenknähe, Beweglichkeit dokumentieren

  • 4. Risiko einstufen: Tierart, Lokalisation, Tiefe, Zeit seit Ereignis, Patient:innenfaktoren

  • 5. Prophylaxen planen: Tetanus, ggf. Tollwut-Management, Antibiotika bei Risiko

  • 6. Nachsorge fixieren: klare Warnzeichen + Kontrolle in 24–48 h (oder früher bei Verschlechterung)



Learnings des Tages

  • Tierbisse sind eine Entscheidungskette: Wunde, Risiko, Prophylaxe, Follow-up – alles gehört zusammen.


  • Handbisse sind Hochrisiko – auch bei „kleinem Loch“: Tiefe Strukturen, Funktion, Infektausbreitung.


  • Prophylaxen sind Akutmedizin: Tetanus prüfen, Tollwut-Risiko strukturiert bewerten, Antibiotika bei klarer Indikation.



Take-home-Message

Bei Tierbissen gewinnt fast nie die spektakuläre Maßnahme – sondern das saubere Vorgehen: gründlich reinigen, Risiko klar einstufen, Prophylaxen konsequent planen und die Nachkontrolle fest in die Hand nehmen.


Gruppenfoto von Dozent:innen und Teilnehmenden der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® in einem offenen Safari-Fahrzeug; alle lächeln, im Hintergrund blauer Himmel, unten rechts eingeblendetes „Rettungsanker Rettungsdienstschule ®“-Logo.

AUSBLICK AUF MORGEN

Morgen bleiben wir in Mossel Bay – und wechseln vom „Biss“ zur Bauchfrage: „Kann denn Essen Sünde sein?“ Dann geht es um Durchfallerkrankungen mit Red Flags, Therapie und Prävention – genau die Fälle, die im Urlaub banal starten und in der ZNA schnell kritisch werden können.


ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG

Die Safari heute war mehr als ein Erlebnis. Sie war ein Reminder: Natur ist beeindruckend – und Medizin beginnt oft genau dort, wo Respekt zur Sicherheitsmaßnahme wird. Für Rettungsdienst und Klinik heißt das: nicht dramatisieren, aber konsequent handeln.


Und genau dafür ist „Rettungsanker goes international 2026“ gemacht: Lernen in realen Settings, mit klarem Transfer in den Alltag – wissenschaftlich geführt von Kim Reiner Godhusen und anerkannt mit 39 CME-Punkten durch die Ärztekammer Bremen.



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