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Wasserrettung & Traumaversorgung – Wenn Sekunden überleben entscheiden

📍 31.01.2026 Kapstadt / Mossel Bay (Südafrika)


Der Atlantik liegt ruhig vor uns. Morgensonne über Kapstadt, ein paar Surfer warten draußen auf die nächste Welle. Es sieht friedlich aus – fast trügerisch. Denn genau hier, wo Urlaub und Freiheit beginnen, kippt ein Szenario schneller als irgendwo sonst von Idylle in Hochrisikomedizin.


Teilnehmende und Dozent:innen der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® am Cape of Good Hope bei Kapstadt, mit Blick auf den Atlantischen Ozean während der Fortbildungsreise „Rettungsanker goes international 2026“ zum Thema Wasserrettung und Traumaversorgung.

Und genau deshalb steht dieses Foto heute nicht „nur“ für einen schönen Moment am Kap der Guten Hoffnung. Es ist ein klinisches Lehrbild. Vor uns: offenes Wasser, spürbarer Wind, Brandung, Fels – keine geschützte Bucht, kein „mal eben“. Hinter uns: ein Team, das in dieser Kulisse lernt, was sich im Einsatz nie sauber trennen lässt: Umweltbedingungen, Zeitdruck und die ersten Entscheidungen am Patienten.


Das Holzschild wirkt wie ein Souvenir – dabei ist es eine klare Markierung: Hier draußen beginnt die Zone, in der Rettung zur Herausforderung wird. Wenn jemand in diese Strömung gerät, wenn ein Sprung auf den Fels schiefgeht oder ein Wassersport-Unfall passiert, dann zählt nicht die Postkarten-Optik, sondern Struktur:



Atemweg, Wärmehaushalt, Mechanismus, Transport

Kapstadt gibt uns heute die perfekte Bühne für das Thema Wasserrettung & Traumaversorgung: Weil die See ruhig aussehen kann und trotzdem gefährlich bleibt. Und weil der Abstand zwischen „Urlaub“ und „Notfall“ an Orten wie diesem oft nur eine Welle beträgt.


Seit fünf Tagen sind unsere Teilnehmerinnen, Teilnehmer und Dozent:innen der Rettungsanker Rettungsdienstschule ® nun in Kapstadt und Mossel Bay. Heute ist Tag 5 – der vorletzte an diesem Ort. Und er fühlt sich besonders an: konzentriert, wach, ernst. Denn das heutige Thema zwingt uns, den Blick zu schärfen für Situationen, in denen Rettung nicht am Ufer beginnt, sondern mitten im Element Wasser.


Wasserrettung & Traumaversorgung sind kein Spezialthema für Exoten. Sie sind hochrelevant für Rettungsdienst, Notaufnahme und Klinik – gerade dann, wenn Mechanismus, Zeitdruck und Umweltbedingungen gleichzeitig wirken.


Atlantikküste bei Kapstadt mit Badegästen im offenen Wasser, felsiger Küstenlinie und Blick auf die Berglandschaft – typische Einsatzumgebung für Wasserrettung unter wechselnden Strömungs- und Wetterbedingungen.

Wasserrettung & Traumaversorgung – Medizin unter Extrembedingungen

Der heutige Fortbildungstag wird von Dr. med. Elisabeth M. Baumgart, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie (Asklepios Klinikum Harburg), geleitet. Ihr Fokus: realistische Szenarien, klare Prioritäten und der Transfer von Theorie in Situationen, in denen klassische Algorithmen angepasst werden müssen.



Worum geht’s heute?

Nicht um Sensationsmedizin. Sondern um strukturierte Traumaversorgung nach Wasserrettung – egal ob nach Beinahe-Ertrinken, Strömungsereignis, Bootsunfall oder Angriff durch Meerestiere.


Im Zentrum stehen:

  • Rettung aus dem Wasser

  • Erstversorgung am Wasser

  • Weiterbehandlung nach Wasserexposition



3 klinische Kernpunkte

1. Hypoxie schlägt Mechanik – immer zuerst denken

Nach Wasserunfällen ist Hypoxie der dominierende Schadenstreiber. Auch bei scheinbar „kleinen“ Traumata gilt: Oxygenierung, Atemweg, Vigilanz. Sekundäre Verschlechterungen sind häufig.


2. Traumamuster sind oft kombiniert

Wasserrettung bedeutet selten „nur“ Trauma oder „nur“ Ertrinken. Typisch sind Mischbilder:

  • Aspiration + Thoraxtrauma

  • Weichteilverletzung + Unterkühlung

  • Schädel-Hirn-Trauma + Hypoxie

Das verlangt Priorisierung statt Schema-F.


3. Unterkühlung verändert alles

Gerinnung, Kreislauf, Medikamentenwirkung – selbst milde Hypothermie verschlechtert Prognosen. Frühzeitiges Wärmemanagement ist kein Nice-to-have, sondern Therapie.



Typische Fehler & Stolperfallen

  • Fixierung auf sichtbare Verletzungen bei übersehener Hypoxie

  • Zu spätes Atemwegsmanagement nach Wasseraspiration

  • Unterschätzung der Unterkühlung bei sonnigem Wetter

  • Unkritische Volumengabe bei potenzieller Lungenbeteiligung



Praxis-Checkliste: Wasserrettung kompakt

  • Eigenschutz & Szenensicherheit zuerst

  • Atemweg und Oxygenierung priorisieren

  • Temperatur aktiv managen

  • Traumamechanismus realistisch einschätzen

  • Engmaschige Reevaluation – Zustand kippt oft verzögert



3 Learnings des Tages

  • Wasserrettung ist fast immer Hypoxie-Medizin

  • Traumaversorgung nach Wasserunfällen braucht flexible Algorithmen

  • Unterkühlung verschlechtert Prognosen früher als gedacht



Take-home-Message

Nach der Wasserrettung entscheidet nicht die spektakulärste Verletzung, sondern die sauber priorisierte Versorgung über das Outcome.


Gemeinsames Abendessen der Teilnehmenden und Dozent:innen der Fortbildungsreise in Kapstadt – fachlicher Austausch und Teamgespräch in entspannter Atmosphäre nach einem intensiven Fortbildungstag.

AUSBLICK AUF MORGEN

Wir bleiben noch bis zum 01.02. in Kapstadt. Morgen wechseln wir vom akuten Trauma zur schleichenden Systemerkrankung:


„Äthyltoxische Leberzirrhose – Diagnostik, Therapieoptionen und Fall-Diskussionen“.


Ein Thema, das weniger dramatisch beginnt – aber genauso lebensentscheidend endet.


ABSCHLUSS & ZUSAMMENFASSUNG

Tag 5 in Kapstadt zeigt eindrucksvoll, warum diese Reise mehr ist als Fortbildung. Wasserrettung & Traumaversorgung zwingen uns, Medizin im Kontext zu denken: Umwelt, Mechanismus, Zeit und Teamarbeit.

Mit diesem Blick im Gepäck gehen wir in den letzten Tag vor der Weiterreise – fachlich geschärft, klinisch geerdet und mit dem klaren Gefühl: Genau dafür sind wir hier.




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